Entsorgung einst - ein geschichtlicher Rückblick

Ausgrabungen antiker Städte zeigen auf, daß die Hochkulturen des Mittelmeerraumes und vor allen Dingen die Römer bereits hochentwickelte Entsorgungsanlagen besaßen.

Doch so wie auch die anderen technischen Errungenschaften der Römer fiel auch das System der Abwasser- und Fäkalienbeseitigung der Vergessenheit anheim. Bäche und Flüsse mußten herhalten, das abzutransportieren, was Mensch und Tier ausschied und was sonst an nicht Brauchbaren anfiel. Mit steigender Bevölkerungsdichte führte dies zu Pest- und Cholera- Epidemien.

 

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Über 40 Jahre im Dienst der Entsorgung

Mit der Ursachenerkennung entstanden als Folge Sammelgruben und erste Abwasserkanäle. Hauptsächlich in Städten, so auch in Lahr, findet man heute bei Bauarbeiten noch gemauerte Kanäle, sogenannte "Dohlen" die mit Stein- oder Eisenplatten überdeckt sind.

Für Fäkalien aber wurden gemauerte Gruben angelegt, die natürlich von Zeit zu Zeit geleert werden mußten. Steigendes Hygienebewußtsein führte zu einer strengen Regelung der Fäkalien-Entsorgung.

Aus Archivakten der Stadt Lahr geht hervor, daß bereits 1865 eine ortspolizeiliche Vorschrift über das Entleeren von Abtrittgruben erlassen wurde, die 1881 durch das großherzogliche Ministerium des Innern mit einer Überwachungs- und Meldepflicht verschärft wurde.

So wie heute Heizöltanks wurden damals die Fäkaliengruben regelmäßigen Kontrollen unterzogen, ob sie dicht und vorschriftsmäßig abgedeckt sind. Doch die manuelle Entleerung dieser Gruben entwickelte sich zum stetigen Ärgernis, bis 1897 der Betrieb der "Abfuhranstalt" an den Schmiedemeister Hermann Erb in Lahr vergeben wurde.

Dieser ermöglichte es mit seinen Pumpen- und Abfuhrwagen (siehe Bild) die Gruben auch tagsüber fast geruchlos zu entleeren. Die Lahrer Zeitung berichtete damals: "Das Abfuhrwesen lag in unserer Stadt bisher noch sehr im Argen, bekanntlich mußte die Latrinenentleerung des Nachts geschehen, was abgesehen von fürchterlichen Gestank mit nächtlicher Ruhestörung verbunden war."

Doch schon 1903 wurde die Fäkalienabfuhr wieder in städtische Regie übernommen, ortspolizeilich geregelt und eine Gebührenordnung festgelegt. Alsbald überstieg der Grubenanfall die Absatzmöglichkeiten bei Landwirten, so daß der Bau einer großen Sammelgrube für die Zwischenlagerung notwendig wurde. Aber wohin? Keiner wollte sie haben. Erst nach achtjähriger Standortsuche wurde sie 1903 auf Gemarkung Friesenheim errichtet. Mit dem Bau von Kanalisationen und zentralen Kläranlagen in den 20er und 30er Jahren und der damit verbundenen Stillegung der Abortgrube verlagerte sich das Abfuhrsystem auf die Kommunen. Doch auf den Landgemeinden gab es noch keine Kanalisationen.

In einer solchen Bedarfslücke setzte Hans Förster aus Ottenheim 1959 an, eine Firma zu gründen, die sich ganz der Entsorgung verschreiben sollte.

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Vom „Güllewagen“ zu Spezialfahrzeugen

Entwicklung zum Großentsorger

Bereits der Vater der Brüder Förster befaßte sich in Ottenheim mit Dienstleistungen. Mit seiner fahrbaren Brennholzsäge zog er von Haus zu Haus und sorgte dafür, daß die Holzscheiten ofengerecht zerkleinert wurden. Nach dem Tod der Eltern betrieben Hans und Heinz Förster neben ihrem Beruf als Bäcker und Maler dieses Geschäft zunächst weiter.

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Kanalreinigungsfahrzeug von 1964. So sah der Kanalreiniger vor über 40 Jahren aus

Ständige Klagen ihrer Kunden über volle Abortgruben bewogen Hans Förster seine Idee eines Güllewagens zu verwirklichen.

Im Jahre 1959 baute er zusammen mit einem ortsansässigen Kraftfahrzeughandwerker zwei Fässer und eine Pumpe auf einen alten Anhänger und erweiterte seine Nebentätigkeit des Holzsägens zusammen mit seinem Bruder Heinz auf das Entleeren von Abortgruben. Die Chance zur Gründung eines Unternehmens bot der von Offenburg nach Süden fortschreitende Autobahnbau.

Sie erwarben 2 gebrauchte LKW`s und gründeten ein Transportunternehmen für Kies- und Sandzufuhr zu der Autobahnbaustelle. Wohl wissend, daß angesichts starker Konkurrenz dies nur von kurzer Dauer sein werde verlagerten sie ihre Zielsetzungen auf das angelaufene Geschäft der Grubenentleerung.

Auf einem geländegängigem Unimog wurde ein 1.400 l fassender Behälter montiert. Die bisher für den Kiestransport eingesetzten LKW`s, für einen Umbau unrentabel, wurden verkauft und durch ein Spezialfahrzeug für Fäkalienabfuhr mit einem 3000 l fassenden Behälter ersetzt.

Ein großer Schritt in die richtige Richtung war getan. Steigender Bedarf an der Abfuhr von Fäkalien weitete den Aktionsradius der Fa. Gebr. Förster rings um den Stammsitz Ottenheim immer weiter aus. zusätzliches Personal wurde notwendig. So wurde 1965 zu den bereits tätigen Mitarbeiter ein weiterer eingestellt.

Der auch in kleineren Gemeinden einsetzende Bau von Kanalisationen verlagerte den Kundenkreis von Privatpersonen auf die für das Entsorgungswesen zuständigen Gemeindeverwaltungen. Doch auch mit Kanalisationen gab es zuweilen Probleme. Wenn es da oder dort mal „zu dicke“ kam, war ein Rückstau die Folge, der in angrenzenden Häusern Ärger verursachte.

Doch auch hier konnte die Firma Förster Abhilfe schaffen. Mit einem speziell konstruierten Fahrzeug führte sie bereits 1964 mit Hochdruckspülungen erste Kanalreinigungen durch.

Das Unternehmen Gebr. Förster war zu einem Begriff geworden, und so war es nicht verwunderlich, daß bereits in den Jahren 1966/67 ein Kundenstamm vorhanden war, der von Offenburg bis Müllheim reichte.

Zur Bewältigung dieser vermehrten Aufgaben mußten neue Spezialfahrzeuge beschafft und neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die damals einsetzende Tendenz, kommunale Aufgabengebiete zu privatisieren, nahm die Firma Förster zum Anlaß, neben der bisher betriebenen Fäkalienabfuhr und Kanalisationsspülung auch die Übernahme der Straßenreinigung anzubieten.

Die Bereitschaft der Gemeinden war groß, so daß sich die Anschaffung einer modernen Straßenreinigungsmaschine mit einem Kehrichtbehälter lohnte. Damit wurde die Firma Förster das erste private Straßenreinigungsunternehmen in unserem Raum. Das erweiterte Dienstleistungsangebot führte der Firma weitere Vertragsgemeinden von Offenburg bis Lörrach zu. Doch für die Spezialisten Förster war dies nicht genug. Von der Kanalreinigung war es nur ein kleiner Schritt bis zur Kanaluntersuchung.

1974 war die Firma Förster eines der ersten Unternehmen in Deutschland, das mit einer auf Zugschlitten montierten Fernsehkamera, Schäden in Kanalrohren erfaßte und dokumentierte. Um die „Nase vorn“ zu behalten, entwickelte sie diesen Dienstleistungssektor stetig weiter.

1985 wurde schon mit einer schwenkbaren Farbkamera gearbeitet, die atypische Verfärbungen im Kanal aufzeigte. Sie wurde gesteuert von einem mit Bildschirm und Drucker ausgestatteten Einsatzfahrzeug.

Bereits 1990 folgte die selbstfahrende Hausanschlußkamera, mit der Kanäle von 80 bis 150 cm Innendurchmesser untersucht werden können. Aber auch hier hat die stürmische Entwicklung der Elektronik- und Computertechnik nicht haltgemacht.

So ist es der Firma Förster heute möglich, Risse und Scherben in Kanälen elektronisch zu vermessen, im Computer zu speichern und mit dazugehörigen Daten und Farbbildern zu dokumentieren.

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Die Zunkunft und mehr

Sie ist in Baden-Württemberg die erste Firma, die das RAL Gütezeichen I für Kanalinspektion erhalten hat.

Ein weiterer Schritt zur rationellen Erfassung von Kanalschäden war dann der Einsatz der sogenannten Satellitenkamera, mit der es dann möglich wurde, in einem Arbeitsgang Hauptkanal und Hausanschlüssse zu untersuchen.

Wie der Name sagt, befindet sich im Gehäuse der Kamera, die sich im Hauptkanal bewegt eine Minikamera, die auf Startbefehl vom Einsatzfahrzeug aus in eine abgehende Hausanschlußleitung eindringt um diese zu untersuchen.

Parallel zu diesem hochentwickelten Betriebszweig galt das Augenmerk der Firma Förster aber weiterhin der allgemeinen Entsorgung. Die Abfuhr von Naß- und Trockenschlämmen aus kommunalen und industriellen Kläranlagen rundete schon länger das Dienstleistungsangebot der Firma Förster ab. Doch die dem Umweltschutz Rechnung tragende Klärschlammverordnung setzte der Wiederverwertung enge Grenzen.

Diesem Umstand entsprechend bringt die Firma Förster mit ihrer fahrbaren Klärschlammberieselungsanlage noch zugelassene Schlämme exakt dosiert über einen 150m langen Schlauch auf eine Breite von 40m auf Felder aus, ohne größere Fahrspuren zu hinterlassen.

Aber auch der Transport von Sondermüll, Ölschlämmen und flüssigen Gefahrenstoffen wurde zum festen Bestandteil der Entsorgung. Mit der Einrichtung einer Häcksel- und Kompostieranlage in Lahr westlich der Kläranlage im Jahre 1994 erweiterte die Firma Förster ihr Dienstleistungsangebot auf Annahme und Verarbeitung von Grünabfällen und Baumschnitt.

Dieses biologische Recycling entlastet Mülldeponien und führt den entstehenden Kompost der Natur als Humus oder Mulch wieder zu. Stämme und Baumäste werden mühelos zerhäckselt und der Kompostierung zugemischt. Siebanlagen liefern nach allen Körnungen sortiertes Kompostgut.Ebenso wurde eine Sandwaschanlage mit in die Produktpalette genommen, damit man Rückstände aus der Kanalreinigung wieder der Verwertung zuführen kann.

Bestandsaufnahme und Ausblick - zusammenfassende Betrachtung

Mit 50 Mitarbeitern und ca. 30 Spezialfahrzeugen verschiedener Art ist die Firma Gebr. Förster in Schwanau - Ottenheim heute zu einem bedeutendem Unternehmen herangewachsen, das für den Ortenaukreis und darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Lösung von Entsorgungsproblemen leistet.

Marktlücken mit einem wachen Auge zu entdecken und risikofreudig Chancen zu ergreifen, war stets die Devise von Hans und Heinz Förster bei Aufbau ihres Unternehmens.

 
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